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Bericht in den 20 Minuten vom 4.04.2015
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Selbsthilfegruppe Basel

04. April 2015 20:16; Akt: 04.04.2015 20:16Print

Frauen mit Elefantenbeinen soll geholfen werden

von Dominique Artacho - Viele Frauen, die an massigen Beinen leiden, wissen nicht, dass sie krank sind. Betroffene in Basel wollen sich nun in einer Selbsthilfegruppe unterstützen.

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Lipödem wird auch von Ärzten oft mit Adipositas verwechselt. Die Betroffenen wissen meist nicht, wie ihnen geholfen werden kann. (Bild: Keystone/AP/Franka Bruns)

Viele Frauen leiden an sogenannten Elefantenbeinen. Ein Leiden, das sowohl schmerzhaft als auch stigmatisierend ist. Oft kennen die Betroffenen jedoch die Ursache nicht. Sie leiden an Lipödem. Darunter versteht man eine Fettverteilungsstörung, bei der zu viel Fett an den Beinen, dem Gesäss und an den Armen eingelagert wird.

Obwohl die Krankheit ernährungs- und bewegungsunabhängig entsteht, wird sie oft als Fettleibigkeit abgetan. «Dabei ist Lipödem eine ernstzunehmende Krankheit, unter welcher die Betroffenen sehr leiden», sagt Heidi Schmid, Gründerin der Vereinigung Lipödem Schweiz. Sie setzt sich aktiv für ihre Leidensgenossinnen ein – so auch hier in Basel, wo demnächst eine Selbsthilfegruppe entstehen soll.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

 
 

«Ich würde es sehr begrüssen, wenn hier eine Selbsthilfegruppe zustande käme», freut sich Anita Keller* (45) aus Basel. Sie selbst leidet seit ihrer Pubertät an Fettablagerungen an den Beinen, auch wenn sie von ihrer Krankheit erst vor 1,5 Jahren erfahren hat. «Lange suchte ich die Fehler bei mir und meiner Ernährung. Nun weiss ich, ich habe Lipödem.»

Keller betreibt viel Sport und ernährt sich ausgewogen: «Eigentlich bin ich eine schlanke Person, nur meine Beine tanzen aus der Reihe.» Die Diskrepanz zwischen dem schmalen Oberkörper und dem stärker ausgeprägten Unterkörper ist typisch für das Krankheitsbild. «Zudem werden die Beine im Verlaufe des Tages immer schwerer und dicker, da sich im Gewebe Wasser ansammelt», so Keller. Dies führt zu grossen Schmerzen, was die Betroffenen stark in ihrer Bewegung und in ihrem Alltag einschränkt – ganz abgesehen von der psychischen Belastung.

«Es gibt keinen Grund sich zu verstecken und zu schämen», sagt Keller. Von der Selbsthilfegruppe in Basel erhofft sie sich, sich mit anderen Leidensgenossinnen austauschen zu können. «Es gibt so viele, die von Lipödem betroffen sind. Gemeinsam wollen wir das Problem angehen.» So sollen sich Betroffene beim Zentrum Selbsthilfe melden, damit der Selbsthilfekurs in Basel zustande kommen kann.

Es gibt Hoffnung, auch auf Heilung

Nebst Anlaufstellen für Betroffene verfolgen die Selbsthilfegruppen von Lipödem Schweiz noch weitere Ziele: «Es geht in erster Linie darum, die Krankheit bei der Gesellschaft, Ärzten, Physiotherapeuten und Krankenkassen publikzumachen», sagt Schmid. Zudem vermittelt die im letzten Jahr gegründete Vereinigung Kontakte, die auf die Behandlung von Lipödem spezialisiert sind. 

«Eine komplexe manuelle Entstauungstherapie (Lymphdrainage) und Kompressionen können bei Lipödem helfen. Selten ist eine chirurgische Therapie (Liposuction) notwendig», sagt Daniel Staub, Chefarzt Angiologie des Universitätsspitals Basel. Auch Schmid kennt die Methoden: «Wenn man Lipödem früh erkennt und angeht, kann Schlimmeres vermieden werden. Ein mehr oder weniger normales Leben ist dann trotz Krankheit möglich.»

* Name geändert